Blut im Park

Blut im Park

 

Der letzte Tag?

Sie kniet im Park auf einer riesigen Wiese, es ist Mittag. Ihre Arme bringen gerade noch die Kraft auf, sich halbwegs aufrecht zu halten. Ihre Kleider sind unversehrt, aber kleben an ihrem Körper, weil sie nass sind von Blut. Ihrem Blut. Sie sitzt in einer dunkelroten Lache und nimmt es dennoch nicht richtig wahr. Die Schmerzen, die sie empfinden müsste, würde man die Wunden unter dem dünnen Stoff beachten, spürt sie nicht. Die Sonne brennt auf ihre Arme und ihren Kopf, lässt das Blut an manchen Stellen langsam trocknen. Der Gestank breitet sich aus, sie ist ihn gewohnt. Alles was sie fühlt ist Kälte, alles was sie versucht, ist aufzustehen.  

Sie hatte ihn angerufen, das Handy muß doch ganz in der Nähe liegen? Sie kann es nicht finden, denn sie hat aus ihrem Gedächtnis gestrichen, dass sie es angeekelt von sich geschleudert hat, als sie erkannte, dass es blutverschmiert war.

Tom rast durch die Straßen und kann immer noch ihre Stimme wie ein Echo in seinem Kopf hören. Sie hatte ihn noch nie um Hilfe gebeten.  

Noch nie.

Sie sind beide nachweislich nicht in der Lage, um Hilfe zu bitten. Nila. Er hat ewig gebraucht um herauszufinden, wo sie sich aufhält. „Hilf mir Tom, bitte hol mich.“ Er hört die Panik in ihrer Stimme anschwellen und der Grund, der ihre Angst über ihren Stolz stellt, - er will ihn nicht wissen. Sie ist kein ängstliches Mädchen. Hoffentlich findet er sie schnell, hoffentlich ist sie noch da. Hoffentlich.

Kein Mensch ist an diesem Tag an diesem Ende des Parks zu sehen, dafür haben sie gesorgt. Es sind nur jene da, denen sie den hohen Blutverlust verdankt, der ihr langsam die Sinne zu rauben beginnt. Sie wird beobachtet. Die JMs wollen sehen, wer kommt um sie zu holen, ihr zu helfen, den Samariter spielt. Rauchend und lachend stehen sie unweit von ihr entfernt, werfen  ihr Dreck auf die Hände und Beine und lachen.

 

Sie schwört sich, nicht die Welten zu wechseln. Sie beißt sich in die Lippen bis auch diese erneut bluten, bis sie endlich ein wenig wohltuenden Schmerz empfindet. Schmerz, der sie bei Bewusstsein hält. Sie denkt an Tom und wartet verzweifelt darauf, dass er kommt um sie zu holen, bevor die anderen sie wieder mitnehmen. Oh ja, sie hört sie und sie sieht sie auch hinter sich stehen, wenn sie den Kopf leicht dreht. Männer in roten Hemden, die JMs. Sie weiß, Tom hat nur ein kleines Zeitfenster, sie weiß, dass eine Stunde durchaus nur 30 min. haben kann, wenn die JMs das so entscheiden. Eine Stunde haben sie ihr gegeben, um den Park zu verlassen. Sie hat zögernd zugestimmt, sehr wohl ahnend, in welch desolatem Zustand sie im Park abgeliefert würde. Ihr letzter Tag, - wenn Tom es schafft.

Sie fährt wahnsinnig gerne mit ihm Auto. Er ist ein sicherer Fahrer und er fährt ausnahmslos schnell. Er lacht immer und schimpft sie unvernünftig, wenn sie sich lächelnd im Beifahrersitz zurücklehnt und die Augen schließt um die Geschwindigkeit zu genießen. Wenn es also einer schafft, dann er. Nila weiß, er wird keine Fragen stellen, er wird ihr keine Schwierigkeiten machen.

Tom rennt die Allee entlang und langsam ergreift auch ihn die zügellose Panik, die er vorher in ihrer Stimme vernommen hatte. Er läuft blindlings die Wege entlang und ruft ihren Namen. Es kommt keine Antwort. Er ignoriert die Stimme, die ihm flüstert, dass sie kaum noch sprechen kann, dass sie selbst vorhin geflüstert und nur stockend und langsam gesprochen hatte. Er ruft und rennt und bemerkte die Tränen nicht, die ihm die Wangen runter laufen, als er sie sieht.

 Er erkannt sie kaum, sie ist von Kopf bis Fuß voller Blut und Dreck. Er sieht auch die Männer hinter ihr stehen. Kaum noch einen Meter von ihr entfernt, gehen sie langsam auf sie zu und werfen Erde auf sie. Sein Herzschlag setzt aus, er hält kurz die Luft an, die Angst um sie schnürt ihm die Kehle zu, aber er rennt weiter auf sie zu.

Sie sieht den Schock auf seinem Gesicht, suchte den Ekel, der unweigerlich folgen muss, findet ihn aber nicht. Erkennt, dass er nach Luft schnappt und liebt ihn dafür, dass er nicht stehen bleibt oder umkehrt.

Er zieht sie in einer einzigen Bewegung in seine Arme und hebt sie hoch; dreht den Männern ungeachtet den Rücken zu und jagt so schnell er kann wieder auf die Bäume zu, weg von dieser großen Wiese, weg von dem freien Feld. Sie ist so leicht, er muss sie fester anfassen, um sich zu vergewissern, dass er sie wirklich bei sich hat. Sie ist viel zu leicht. Während er davonläuft, lässt sie sich endlich in die verdiente andere Welt sinken, überlässt sich voll und ganz Tom und verliert somit das Bewusstsein.

1.2.17 19:37

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